Mein Weg in die Magersucht

Hey ihr Lieben und herzlichstes Willkommen an alle, die hier her gefunden haben ­čÖé

Mein erster Blogbeitrag in meinem Leben. Ich muss gestehen, dass ich immer noch gro├če selbstzweifel habe, was die ├Âffentliche Arbeit angeht. Ich habe angst, dass euch das nicht gef├Ąllt was ich schreibe, es euch nicht interessiert oder ich nicht das erwische, was ihr h├Âren wollt. Aber wisst ihr was? Deswegen mache ich den Blog ja auch gar nicht. Ich will euch nicht gefallen & 100% alles richtig machen. Ich m├Âchte viel mehr ├╝ber die Realit├Ąt schreiben. Einfach so, wie ich bin, was mich interessiert, bewegt und besch├Ąftigt. Erst vor einer Woche habe ich mich auf Instagram angemeldet. Auch hier zeigte sich schnell mein typisches Verhalten von: ich muss schnell viele Follower bekommen damit ich so viele Leute wie m├Âglich erreiche. Total dumm!┬á Ich meine, wer schafft es bitte von 0 auf 100% zu kommen? Ich bestimmt nicht. Aber wie oft erwische ich mich immer mal wieder dabei gleich alles perfekt machen zu wollen, blo├č keine Fehler. Ich verliere mich dabei oft selbst und nehme mich zu oft f├╝r andere zur├╝ck, damit ich die Anerkennung im Au├čen bekomme.┬á Wir sind alle getrieben von ├Ąu├čeren Einfl├╝ssen, Erwartungen und Anspr├╝chen an uns selbst. Mich hat es kaputt gemacht. Und daran arbeite ich jetzt schon seit gut 6 Monaten. Was ist aber vorher in meinem Leben passiert, dass ich heute hier sitze und auf die Idee komme einen Blog ├╝ber „Selbstliebe“,┬á „Fitness“ und „Ern├Ąhrung“ zu schreiben. Das m├Âchte ich euch heute mal alles erz├Ąhlen ­čÖé

Vor gut 8 Jahren fing alles an (ich war gerade 16 Jahre). Ich erinnere mich ziemlich genau. Ich lernte einen Freund kennen mit dem ich wenig sp├Ąter zusammen kam. Er hatte, in meinen Augen, eine bildh├╝bsche Exfreundin, die ich unglaublich beneidete. Ihre Figur, ihre Haare, ihr Gesicht, ihre Augen, einfach alles. Mir stelle sich nat├╝rlich die Frage, wie mein Freund denn bitte mit mir zusammen sein konnte, wenn er doch eine so „perfekte“ Exfreundin hatte. Zu diesem Zeitpunkt wog ich um die 60kg auf einer Gr├Â├če von 1,66m. Also absolut Normalgewicht. Ich spielte viel Fu├čball, hatte viele Freunde mit denen ich am Wochenende etwas unternahm; Alkohol trank, Pizza bestellte, musik h├Ârte usw.┬á Ein ganz „normales“ Leben f├╝r einen Teenager. Doch auch zu dieser Zeit war ich schon eher unzufrieden mit meinem K├Ârper. Zu viele Kurven, zu viel hier, zu viel da, zu┬á klein… Doch ich lie├č mich von diesem Denken wenig beeinflussen und liebte stattdessen das Essen, ich a├č gern. Pflegte meine Sozialen Kontakte und war „f├╝r alles zu haben“.┬á Als ich dann jedoch in die Beziehung kam, gab es f├╝r mich nichts wichtigeres mehr als d├╝nner zu werden. So zu werden wie seine Exfreundin. Mich kann er doch wohl nicht so lieben, wie ich aussehe. Also fing ich an, Abends nichts mehr zu essen. Viel Rohkost. Ich verbot mir all die Dinge die ich liebte: Nutella, S├╝├čigkeiten, Schokolade, Pizza.. und a├č mehr die Dinge die „die d├╝nnen“ Leute essen mussten um so d├╝nn zu sein. Was nat├╝rlich totaler schwachsinn war, aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich einfach keine Ahnung von Ern├Ąhrung. Es existierte lediglich der Gedanke: Wenig essen= d├╝nn und viel essen= dick. Es dauerte nicht lange und ich konnte meiner Mama stolz erz├Ąhlen, dass ich endlich unter 60kg wog. Ich f├╝hlte mich fantastisch. Ich ging mit meinem Freund ins Schwimmbad, a├č den ganzen Tag extra nichts um Abends im Schwimmbad einen flachen Bauch zu haben. Den musste die Exfreundin bestimmt auch gehabt haben, dachte ich. Also muss ich das auch. Ich hatte nur noch dieses eine Ideal vor Augen, wie ich aussehen wollte. Ich verlor mich komplett aus den Augen. All meine Aufmerksamkeit war auf dieses eine M├Ądchen gerichtet. Ich dachte nicht dar├╝ber nach, dass mein Freund mit mir zusammen ist, weil er mich sch├Ân fand, so wie ich war, dass er mich liebte, wie ich war und nicht mehr mit seiner Exfreundin zusmmen ist.┬á Ich dachte gar nicht daran, denn ich fand mich ├╝berhaupt nicht attraktiv, also konnte er es auch nicht. Ich war auf einer Gesamtschule, dass hei├čt bis 16 Uhr Schule. Perfekt f├╝r mich, nichts zu essen ohne dass es meine Mutter merkte. Ich verschenkte meine Essensmarken mit der Begr├╝ndung keinen Hunger zu haben, Zuhause zu essen oder etwas dabei zu haben. Ich baute mir mein perfektes Leben auf in der sich meine Magersucht optimal entfalten konnte. Ohne das ich es merkte. Und es machte mir sogar Spa├č die Kontrolle ├╝ber mich und meinen K├Ârper zu haben. Ich bildete mir ein, dadurch endlich Liebe von mir f├╝r mich zu sp├╝ren. Ich konnte dieses Loch an mangelnder Selbstliebe mit Hungergef├╝hlen stopfen. Ich merkte, dass je d├╝nner ich wurde, ich mir immer besser gefiehl. Ich traute mich wieder T-Shirts zu tragen, enge Tops und kurze Hosen. Ich gewann an Selbstbewusstsein. Ich bekam die Best├Ątigung f├╝r mein damaliges Denken, dass alle d├╝nnen M├Ądchen gl├╝cklich sein mussten. Ich bekam Komplimente: „Kathi hast du abgenommen, dass sieht gut aus“. Aufmerksamkeit. Endlich. Man sah mich. Ich war auf dem richtigen Weg. Immer mehr, immer weniger! Immer mehr Zwang, Kontrolle und der Verlust von Verbindung zu mir Selbst, aber immer weniger Essen. Es eskalierte langsam aber stetig. Meine Mutter war die Erste, die mich ansprach: „Kathi bitte pass auf, dass du nicht Magers├╝chtig wirst“ Ich antwortete ihr, dass sie sich keine Sorgen machen musste. Aber in mir explodierte ein Feuerwerk. „Magers├╝chtig“, dachte ich mir, super. Ein Begriff den ich kannte und der mir irgendwie Best├Ątigung gab. Ich kann euch nicht sagen wieso, aber es pushte mich enorm, einen Namen zu bekommen der Aufmerksamkeit erregt. Dann ging alles sehr schnell. Ich konnte irgendwann gar nichts mehr essen. Es ging einfach nicht. Die Abscheu vor Essen war so gro├č geworden, dass ich es einfach nicht mehr konnte. Die Angst so gro├č, ich w├╝rde wieder dicker werden. Ich war nicht die Person, die sich im Spiegel anschaute und sich mit 40 Kilo noch dick fand aber ich war hilflos. Mein K├Ârper hatte eine Macht ├╝ber mich eingenommen der ich komplett ausgeliefert war. Wenn ich heute zur├╝ckblicke, fehlen mir die Gedanken an die Zeit damals. Ich wei├č nicht was ich gedacht habe, es f├╝hlt sich an wie ein Blackout. Aber ich sp├╝re diese machtlosigkeit. Die Machtlosigkeit nicht zu wissen warum man einfach nichts mehr essen kann. Warum ich absolut keine Kontrolle hatte und andererseits mein K├Ârper 100% die Kontrolle ├╝ber mich ergriffen hatte. Es zog sich alles in mir zusammen sobald ich auch nur ein St├╝ck Nahrung im Mund hatte und ich fing sofort an zu weinen. Es ging einfach nichts mehr. Ich ging zu einer Therapeutin. Doch das half mir recht wenig. Ich wollte, aber ich konnte einfach nicht. Daraufhin vereinbarte meine Mutter eine Besichtigung in einer Klinik, die ich mir mit ihr im Mai 2011 anschaute. Ich war geschockt. Da wollte ich auf keinen Fall hin!!┬á War das ein Ansporn? Eigentlich schon w├╝rde man sagen, f├╝r mich war jedoch jede Hilfe zu sp├Ąt. Mein von au├čen schwacher K├Ârper war innerlich so stark geworden und ich hatte vom Verstand her nichts mehr zu melden. Ich erinnere mich ┬áziemlich genau an meine Gedanken auf dem Weg zu der Besichtigung: „Hier fahren dann alle her, die mich irgendwann besuchen werden“. Ich wei├č heute, dass meine innere Stimme der Magersucht sich in diesem Klinikgedanken gesuhlt hat. Sie hatte alles was sie brauchte um zu leben. Meinen K├Ârper, meine Kontrolle und die Aufmerksamkeit von au├čen. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte ich sie nicht parat bzw. war mir ├╝ber sie nicht bewusst und ich lies mich einfach von ihr beherrschen. Ist es nicht Paradox? Einerseits wollte ich auf keinen Fall in diese Klinik und andererseits malte ich mir gedanklich schon aus, wie es sein w├╝rde, wenn ich dort bin? Das zeigt wie fremdgesteuert man zu dieser Zeit ist. In seinem Handeln und Denken. Wie eingenommen man von Gedanken ist ohne innerlich etwas dagegen unternehmen zu k├Ânnen. Es ist vergleichbar wie ein Roboter. ┬áEinen Monat sp├Ąter zog meiner Mutter die Rei├čleine und ich kam in die Klinik. Meine Eltern wussten nicht mehr weiter und auch ich wusste nicht mehr weiter. Ich konnte nicht mehr. In der Klinik nahm ich sehr schnell zu, denn ┬áich war froh endlich die Verantwortung abgeben zu k├Ânnen. Ich war eine absolute┬á„Wunschpatientin“. Ich wollte zunehmen. Somit hatte ich einen Aufenthalt von gut 9 Monaten. Ich hatte zwar an Gewicht zugenommen und auch wieder Normalgewicht, jedoch war ich geistig absolut nicht weiter gekommen. Ich habe mich weder mit meinen Gedanken auseinandergesetzt noch mit meiner Vergangenheit um an ihr zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir jedoch dar├╝ber noch nicht bewusst, wie wichtig es ist, die Wurzel der Magersucht aufzudecken und an ihr zu arbeiten. Schon als ich aus der Klinik entlassen wurde, machte sich mein Unterbewusstsein schnell wieder bemerkbar. Ich fing an, mich wieder unwohl zu f├╝hlen. Ich konnte immer noch nicht ┬ádas essen, was ich wollte. Immer noch gefangen in alten Verhaltens- und Gedankenmustern. Ohne es zu merken nahm ich schnell wieder ab und befand mich gut zwei Jahre sp├Ąter in der n├Ąchsten Klinik. Hier war jedoch alles anders. Keiner ├╝bernahm die Verantwortung f├╝r mich. Setzte mir nicht mein Essen vor und ich musste eigenst├Ąndig essen. Nach 3 Monaten wurde ich wieder entlassen. Mein Gewicht? Genau wie bei der Aufnahme. Das zeigt, dass es bei einer Magersucht nicht darum geht das Essen vorgesetzt zu bekommen und wenn man 10 Kilo zugenommen hat als gesund gilt. Das w├Ąre wirklich sehr sch├Ân und sehr einfach. Aber dem ist leider nicht so. Denn ich hatte immer noch diese innere Kontrolle ├╝ber mich und ├╝ber das Essen. Die Angst vor dem Zunehmen, vor dick sein, vor Fett und vor ungesundem Essen. Alles sa├č so tief in mir und blockierte mich komplett. Das machte mir eigenst├Ąndiges Essen unm├Âglich und ich schaffte es nur wenn jemand diese Kontrolle f├╝r mich ├╝bernahm.

Wie es dann weiter ging, warum mir die Klinikaufenthalte nicht geholfen haben und was mir stattdessen geholfen hat, ┬áerfahrt ihr in meinem n├Ąchsten Beitrag.

Ich freu mich, wenn ihr wieder vorbeischaut.
Bist dahin seit dankbar f├╝r das, was ihr habt und das, was ihr seid. Ihr habt nur dieses eine Leben und euer K├Ârper ist der einzige Ort an dem ihr dieses Leben leben k├Ânnt. Ihr werdet niemals einen anderen K├Ârper geschenkt bekommen, also behandelt ihn so, wie er es verdient hat. Schlie├člich schenkt er euch euer Leben!

eure Kathi ­čÖé