Mein Fitnesswahn

Versteht mich auf keinen Fall falsch, ich liebe die Fitnesswelt und beschäftige mich sowohl beruflich als auch in meiner Freizeit gerne mit dem Thema.
Jedoch gibt es, was das Thema Fitness angeht extreme Unterschiede.
Es kann zu deiner Leidenschaft werden, mit der du deinem Körper etwas gutes tust und aus Lust an Bewegung zum Sport gehst.
Die Schattenseite der Fitnesswelt wird jedoch oft nicht angesprochen.
Denn viele sind sich über ihr zwanghaftes Verhalten nicht bewusst.
Sie glauben, striktes Kalorien zählen, jedes Nahrungsmittel abwiegen, nur sein eigenes Essen essen können, 6x die Woche zum Sport zu gehen und den ganzen Tag nach Essen und Sport zu planen sei gesund und gehört zu einem Fitnesslifestyle dazu.
Das ist natürlich komplette selbstvera*****.
Auch ich habe noch vor kurzem geglaubt, meine Leidenschaft in genau diesen Verhaltensmustern gefunden zu haben und war auch zu 100% überzeugt, dass ich ein total gesundes Leben führe.
Solange man dieses krankhafte selbstoptimierende Verhalten nicht hinterfragt, wird sich meiner Meinung nach auch nichts ändern.

Wie habe ich gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt?
Ich glaube, wenn du merkst, dass du keine Kontrolle mehr über dich hast und nicht mehr in der Lage bist zu entscheiden, was du möchtest und was nicht, handelst du getrennt von deinem wahren Ich und wirst wie fremdbestimmt.
Wie sprichst du zu dir und wie sind deine Gedanken?
Sind sie förderlich oder sind sie eher destruktiv?
Bist du zu 90% gestresst am Tag? Ist Gelassenheit ein Fremdwort für dich?
Mein Alltag bestand hauptsächlich aus Sätzen wie „ich muss“, “ ich darf/darf nicht“, „das ist gesund/ungesund“, „wenn…, dann…“

Mein erster Schritt um aus diesem selbstgebauten Gefängnis auszubrechen, war also zunächst die Bewusstmachung meiner Gedanken.
Denn hinter Sätzen wie „ich muss“ sitzt dein Kopf, der dir aus einer tiefen Überzeugung heraus sagt, wie du zu sein haben musst, um einem von dir selbst erstelltem Ideal zu entsprechen.

Mein zweiter Schritt bestand darin, mein „Ideal“ zu hinterfragen, bzw. es erst einmal an die Oberfläche zu holen.
Nach meinem ersten Klinikaufenthalt bin ich das erste Mal mit dem Thema Fitness in Berührung gekommen.
Ich habe gemerkt, dass ich essen darf und das ich essen muss um Muskeln aufzubauen, dass ich mit dem Sport meinen Körper formen kann usw.
Schleichend hat sich also ein Bild in mir breit gemacht, wie ich sein will um in dieser Welt anerkannt zu sein, mich selber endlich zu mögen und die Liebe zu bekommen nach der ich mich so sehnte.
All die Mädels auf Instagram hatten ein Sixpack, einen runden Po, eine schmale Taille und trainierte, lange Beine.
Ihre Ernährung bestand aus wenig Fett, viel Eiweiß und Kohlenhydraten in Maßen. Es gab Richtlinien wie 2g Eiweiß pro Kg Körpergewicht.
Ich verlor mich komplett in diesen Regeln. Gleichzeitig dachte ich aber auch die absolute Sicherheit zu haben durch die Kontrolle. Aber eigentlich hat man selber nichts im Griff. Das Essen und eine falsche Art an Disziplin haben dich im Griff.
Auf Instgram wird dir heutzutage aber auch nichts anderes mehr gezeigt.
Ich habe irgendwann verstanden, dass mir diese Welt unbewusst Regeln auferlegt, die ich nicht durchbrechen kann und Glaubenssätze und Überzeugungen einflößt, die ich nicht hinterfrage.
Diese Welt war es, die mich bestimmt hat.
Denn ich habe gedacht, ich ernähre mich ungesund, wenn ich Schokolade esse.
Ich ernähre mich ungesund wenn ich Kuchen esse.
Ich habe mir Verbote erteilt, eine Liste im Kopf gehabt mit Nahrungsmitteln die ich essen durfte und jene, die ungesund waren und die ich meiden muss.
Aß ich sie, war das schlechte Gewissen nicht weit entfernt.
Natürlich habe ich mich gefragt, warum ich ein schlechtes Gewissen habe und ich wollte es unbedingt loswerden.
Aber anstatt es zu hinterfragen und für mich aufzulösen, war es natürlich einfacher diese Nahrungsmittel zu eliminieren und noch mehr Kontrolle auf die Ernährung auszuüben.
Es war ein fliehen vor mir selber und ein aufrechterhalten eines falschen, ungesunden Ideals im außen.

Durch Achtsamkeit, bewusstem Umgang mit meinen Gedanken und Gefühlen habe ich es geschafft, mich aus diesem zwanghaften Verhalten Schritt für Schritt zu lösen. Denn ich habe verstanden, dass hinter all den Verhaltensmustern, Glaubenssätzen und Überzeugungen ein bestimmtes Gefühl steht. Und das ist „Liebe“.
Liebe zu mir selbst, Liebe erfahren, Liebe fühlen, sich wohl fühlen in mir.
Aber bekomme ich dieses Gefühl, wenn ich Kalorien zähle, mir Verbote auferlege und zwanghaft jeden Tag Dinge tue mit denen ich mir mehr schade, als dass sie mir gut tun?
Niemals!
Ich versuche seit dem, jeden Tag mehr und mehr so zu handeln, dass ich dieses Gefühl schon Heute in mir trage.
Mein Ideal ist in mir. Es ist die beste Version von mir selbst und braucht weder ein Sixpack noch einen runden Po.
Ich frage mich, wie will ich mich fühlen. Hier, Jetzt, Heute und nicht erst dann, wenn ich ein genaues Ziel erreicht habe.
Oftmals tritt dieses Gefühl nämlich auch dann gar nicht ein.
Denn die Liebe nach der wir uns alle sehnen, ist bedingungslos.
Sie ist an kein Gewicht geknüpft oder an ein Sixpack.
Sie liegt in dir.
Sie ist bereits in Jedem von uns und wartet nur darauf gesehen zu werden.
So lange du dir Ideale im außen suchst, dich an Ernährungspläne und Diäten hältst, die dir das Wohlgefühl versprechen nach dem du dich sehnst, wirst dieses Gefühl allerdings nie erfahren und ein ewig Suchender bleiben. Entfernt von dir und deinen wahren Bedürfnissen.
Du wirst dich ein Leben lang schlechter fühlen als dein Umfeld und deinem Ideal immer ein Stück hinterher sein.
Das Glück wartet in dir, nicht im außen.

Ich bin ehrlich, ich habe auch noch Tage, an denen ich der Kontrolle und alten Zwängen verfalle.
Tage, an denen es mir nicht gelingt auf meinen Körper zu hören.
Jedoch nehme ich diese Tage bewusst wahr und versuche mich zu fragen, warum ich nicht auf meinen Körper hören kann und warum ich jetzt die Kontrolle benötige um mich gut zu fühlen.
Heilung geschieht nicht von Heute auf Morgen, erst recht nicht, wenn man Jahre lang diesen falschen Idealen hinterher geeifert ist und Gewohnheiten an den Tag gelegt hat, die sich eben nicht von jetzt auf gleich auflösen.
Nimm diese Tage an, anstatt sie zu bekämpfen und dich schlecht zu machen. Sie wollen dir etwas sagen.
Nutze sie um deinen Bedürfnissen noch ein Stück näher zu kommen und neue Erfahrungen zu machen, die dir beweisen, dass du dir vertrauen kannst und keine Kontrolle mehr brauchst. Die Kontrolle dient dir schlichtweg nicht mehr, denn du weißt jetzt, dass das einzige Ideal welches du hast, du selbst bist.
Dieses Ideal nährt sich von deiner Intuition und deiner Herzensstimme. Deine Bedürfnisse sind der Wegweiser zu innerem Frieden.
Dein falsches, auferlegtes Ideal nährt sich über Kontrolle.
Es glaubt nur mit Kontrolle irgendwann den perfekten Körper zu haben und geliebt zu werden.
Wofür entscheidest du dich? Wer willst du sein?
Eine in dir ruhende Person, die sich wohlfühlt egal was kommt. Oder eine im außen, unglücklich suchende Person die innerlich leer ist?

Ich versichere dir, du wirst dich freier fühlen als je zuvor, wenn du merkst, dass du deinen Bedürfnissen nachgehen kannst, deinem Körper lernst zu vertrauen und neue Erfahrungen machst die dir genau das beweisen.
Nimm deine Angst an die Hand und zeig ihr den Weg zu deinem wahren Ich. Es schlummert in dir und versteckt sich nur hinter den Gitterstäben die du um dich gebaut hast. Durchbreche sie langsam und lass dich frei.
Dann erfährst du wahre Liebe.

In Liebe,
eure Kathi <3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.