Was bedeutet Essen heute für mich?

Als ich diese Frage vor einigen Tagen gestellt bekommen habe, wusste ich nicht auf anhieb darauf zu antworten. Hätte man mich vor 6 Monaten gefragt was Essen für mich bedeutet, hätte ich womöglich gesagt, dass Essen ein Mittel zum Zweck ist. Ich damit zu- oder abnehmen kann und ich gerne in Gesellschaft esse. Vielleicht hätte ich sogar gesagt, dass ich gerne esse im Unterbweusstsein jedoch wüsste, dass es für mich ein Zwang und alles andere als ein Genuss.

Bevor ich also erzähle, welche Bedeutung Essen für mich in meinem derzeitigen Leben hat, möchte ich euch gerne 6 Monate mit zurücknehmen und euch erzählen, welche Bedeutung Essen zu dieser Zeit für mich hatte. Denn als ich mir dies vor einigen Tagen durch diese Frage bewusst gemacht habe, ist mir erst mal klar geworden, welch enormen Wandel ich in den letzten 6 Monate erlebt habe. Ich möchte damit zeigen, dass auch ich gefangen in einem Dschungel aus Restriktionen, Regeln und Glaubenssätzen war und es geschafft habe, die Perspektive zu wechseln.
Alles was es dazu braucht, ist; Bewusstsein, Achtsamkeit und Mut zur Veränderung.
Aber jetzt will ich euch erst mal erzählen wie mein Gefängnis, mein Dschungel aussah.

Vor 6 Monaten habe ich mich auf eine wundervolle Reise begeben. Ich habe ein Coaching mit der wundervollen Kira Siefert gestartet.
Zu diesem Zeitpunkt hat mich das Essen in allen Lebensbereichen beherrscht.
Mein kompletter Tagesablauf war geplant und alle Unternehmungen mussten sich nach dem Essen richten.
Wenn ich mal nicht zu meinen gewohnten Essenszeiten Zuhause war, wurde ich direkt nervös und war absolut überfordert, was den weiteren Tagesablauf anging. Eine Verabredung am Abend bedeutete für mich, den ganzen Tag zu hungern, damit ich das Essen am Abend auch ohne schlechtes Gewissen essen konnte. Spontan einen Kuchen essen war nicht möglich und wenn, dann musste irgendetwas anderes dafür gestrichen werden.
Alle Lebensmittel wurden abgewogen und meine Mahlzeiten wurden nicht danach ausgewählt, worauf ich hunger hatte, sondern nach den Kalorien. Was hat am wenigsten Kalorien? Wie viel Kalorien darf ich noch essen, damit ich auch nicht zu viel esse?
Kurzum; mein kompletter Tag war bis auf den kleinsten Keks durchgerechnet.
Meine Laune; abhängig vom Essen.
So habe ich mir mein eigenes Gefängnis aus Regeln, Restriktionen, Glaubenssätzen und Zwängen gebaut.
Habe ich sie hinterfragt? Nein!
Haben sie mich gestört? Ja!
Konnte ich sie ändern? Nein!
Warum nicht?
Weil diese Verhaltensmuster mir innerlich Sicherheit und Halt gegeben haben und komplett unbewusst abliefen.
Und hier liegt der Knackpunkt. Solange du dir deiner Verhaltensmuster nicht bewusst bist und verstehst warum du so handelst wie du handelst, bist du eine Marionette deines Unterbewusstseins. Stell es dir so vor: In deiner Vergangenheit hast du gewisse Erfahrungen gemacht. Du hattest bestimmte Gefühle in dieser Verbindung die du nicht fühlen wolltest, da sie sich nicht gut angefühlt haben. Du hast sie verdrängt.
Immer wenn du Heute auf eine Situation stößt die ein Gefühl in dir ervorruft, stößt dieses Gefühl auf eine Emotion die du in Verbindung mit deiner Vergangenheit bringst.
Jetzt hast du die Wahl: Entweder du fliehst indem du die Situation durch Kalorien zählen kontrollieren willst oder auch exessiv Sport treiben musst oder aber du blickst dieser Angst in die Augen und machst dir bewusst, dass es eine vergangene Erfahrung ist und nicht dem Hier und Jetzt entspricht. Das Hier und Jetzt bietet dir immer wieder die Chance neu zu wählen, neue Erfahrungen zu machen.
Ansonsten wirst du immer wieder vom Leben, bzw. deinen vergangenen Erfahrungen die du erlebt hast gelebt anstatt das Leben im hier und jetzt zu erleben.

Zusammengefasst bedeutete Essen nichts weiter als Kontrolle und Flucht vor alten Gefühlen.
Eine Flucht bzw ein Verhalten, das mich eigentlich nur beschützen möchte.
Dies gilt es auszuhebeln, zu hinterfragen und aufzulösen.
Denn dienlich ist dir dieses Programm schon lange nicht mehr.

Essen ist nämlich so viel mehr als Kalorien, dick oder dünn sein, Kontrolle und Sicherheit.
Essen ist ein Mittel zum Leben. Ein Lebensmittel.
Ohne Essen sterben wir.
Essen bedeutet Genuss, Gemeinschaft und Wohlbefinden, Freude und Leidenschaft.

Heute bedeutet Essen für mich, auf die Signale meines Körpers zu hören. Frei von Uhrzeit und Regeln.
Ich esse das, worauf ich lust habe.
Ich treffe meine Entscheidungen nicht auf Basis von Regeln die ich mir auf Grund vergangener Überzeugungen auferlegt habe oder welche die Gesellschaft mir vorgeben möchte.
Denn mein Essverhalten ist so individuell wie mein Fingerabdruck.
Warum soll ich auf Kohlenhydrate verzichten wenn ich sie liebe?
Warum darf ich kein Fleisch essen, wenn es mir schmeckt?
Es gibt kein „Gut“ oder „Böse“.
Pizza oder Pasta ist gleichwertig wie eine Gemüsepfanne.
Es gibt keine Uhrzeit die mir sagt, dass ich jetzt keine Kohlenhydrate mehr essen darf.
Wenn mein Körper jetzt hunger auf Schokolade hat, dann gebe ich ihm Schokolade.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich mir immer wieder Schokolade verbiete, ich den ganzen Tag an Schokolade denke.
Verspüre ich also eine Lust auf etwas Süßes, dann esse ich es.
So denke ich nicht Tage lang daran, dass ich eigentlich Lust auf etwas Süßes habe, aber immer wieder etwas „gesünderes“ esse, weil mein Unterbewusstsein es mir vorschreibt, dass es besser ist.
Jedes Nahrungsmittel hat einen gleichen Wert für mich, es war immer nur die Bewertung die es in „ungesund“ und „gesund“ unterteilt hat.
Ich wiege meine Nahrungsmittel nicht mehr ab, denn ich habe verstanden, was diese Handlung bedeutet. Es bedeutet, dass ich unbedingt wissen muss wie viel Kalorien ich esse um anhand dessen festzulegen, was und wie viel ich den Tag über noch essen darf.
Seitdem ich mein Essen nicht mehr abwiege empfinde ich eine unglaubliche Freiheit. Erst dadurch konnte ich noch mehr das essen worauf ich Lust habe, denn ich hatte nicht mehr das Bedürfnis auf die Kalorien zu achten, denn ich wusste eben nicht mehr, wie viel Kalorien ich genau esse. Die Zahl rückte immer mehr in den Hintergrund und ich konnte immer besser auf mein Körpergefühl hören.
An dieser Stelle möchte ich auch noch mal erwähnen, wie wichtig es ist in die Umsetzung zu kommen. Denn es reicht nicht aus, wenn du verstehst und bemerkst, dass du einen komplett strukturierten Tag hast.
Der erste Schritt für mich war, Sätze wie „ich darf … und ich muss… und ich darf nicht… etc“ zu entlarven. Denn hinter diesen Regeln schlummert dein wahres Bedürfnis. Sagt dir dein Ego: “ das darfst du nicht weil,….“ mach es genau dann! Es ist also enorm wichtig achtsam zu sein und dich dann bewusst dafür zu entscheiden anders zu handeln. Anders in dem Sinne, dass du die innere Stimme hörst, sie wahrnimmst und annimmst um dann einen nächst besseren Gedanken denkst, der dir dienlich ist.
Du musst neue Trampelpfade bauen. Das heißt du musst für deinen Verstand neue Erfahrungen machen auf die er zurückgreifen kann.
Nimm deine Angst an die Hand und geh mit ihr zusammen hindurch.
Heute kann ich sagen, dass ich gerne esse. Das ich wirklich fast immer versuche auf meinen Körper zu hören und dass es immer besser klappt, denn ich mache immer neue Erfahrungen, die mir zeigen, dass ich meinem Körper vertrauen kann und dass es ok ist wenn ich den nächsten Tag nicht von Morgens bis Abends geplant habe.
Klar, ist genau das am Anfang extrem schwer, aber durch Kontrolle immer wieder vor der Angst zu fliehen befreit dich am Ende des Tages nicht aus deinem Gedankendschungel. Im Gegenteil, es befeuert es immer und immer wieder, denn du glaubst ohne Kontrolle nicht zu überleben.

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